Direkt zum Hauptbereich

DIY - Gitarrenkoffer für Ibanez Talman

Zur Motivation

Ich war auf der Suche nach einem Projekt und da ich für meine Talman noch keine Transportmöglichkeit hatte, habe ich mich entschlossen, selbst ein Case zu bauen.
Die Gitarre selbst ist ziemlich leicht, der Koffer darf also auch etwas schwerer sein. Da der Aufwand überschaubar bleiben soll und da das mein erstes Projekt dieser Art ist, habe ich mich entschieden der Einfachheit halber ein kastenförmiges Case und kein passgenaues Case zu bauen.

Zur Optik: Von außen soll das Case schwarz mit Kunstleder beschlagen werden, von Innen mit dunkelrotem Samt.

Zielobjekt



Schritt 1 - Bauteile und Kosten

Folgende Teile habe ich bisher organisiert. Eventuell benötige ich noch dünnes Holz für den Innenversatz, der später dafür sorgen soll, dass das Case auch dicht ist und dass man die Enden des Stoffes und des Leders nicht sieht. Ebenfalls fehlen tut noch das Innenfutter. Ich dachte hierbei an Styropor, weil es leicht ist und sich leicht in Form schneiden lässt, um die Gitarre später hineinzulegen. Vielleicht habe ich auch noch ein paar Verpackungsreste, die ich dafür verwenden kann.

2xSperrholzplatte (12mm) 105cm x 45cm
2xSperrholzplatte (12mm) 105cm x 15cm
2xSperrholzplatte (12mm) 15cm x 45cm
Holz Gesamt~20€
Schwarzes Kunstleder 200cm x 140cm~8€
3xNoppenschaum (3cm) 49cm x 49cm~4€
3xSamt (Bordeaux) 200cm x 150cm~4€
Stoffe Gesamt~16€
2xAufstellscharnier
2xSchnappschloss
1xKoffergriff
8xFlachecke 30mm
Metallteile Gesamt~22€
Kosten (bisher) Gesamt~58€
Preise sind gerundet und ohne Versandkosten.
Hier noch ein Foto der Metallteile:



Schritt 2 - Zwei Kästen bauen

Die großen Flächen des Sperrholzes habe ich mir bereits in der Größe zuschneiden lassen wie ich sie brauchte, nur die Seitenteile mussten noch zugeschnitten bzw. geteilt werden. Die Seitenteile wurden dann aufgeleimt, dann ein paar Löcher vorgebohrt und zusätzlich noch an die Grundplatte und aneinander genagelt. Das Ganze dann noch einmal für den Deckel.



Beim "Anprobieren" der beiden Hälften stellte sich allerdings heraus, dass die beiden großen Platten wohl nicht exakt gleich zugeschnitten waren, wodurch es zu etwa 1mm Überstand kam. 



Mit einem Schleifer konnte ich diesen Fehler zumindest ein wenig kompensieren:



Schritt 3 - Mit Leder beziehen

Für diesen Schritt habe ich Leder und Holz mit Sprühkleber besprüht. Mein erster Versuch misslang, der Kleber hielt nicht. Denn beim Verwenden von Sprühkleber sind folgende Dinge zu beachten (kann je nach Kleber variieren):
  1. Flächendeckend einsprühen
  2. Nicht zu dünn auftragen
  3. Beide Flächen besprühen
  4. Antrocknen lassen (~5 Minuten) bevor die Flächen aneinander gebracht werden
Mein Problem war eher letzteres, in Kombination damit, dass der Kleber für meine Zwecke nicht zu taugen schien.
Lässt man den Kleber lange genug antrocknen, hält er sofort und man muss sich nicht wie ich den Aufwand mit den Schraubzwingen machen.

Zunächst die große Fläche:


Dann die Seiten anschneiden und umklappen:


Am Ende sieht das dann so aus:


Schritt 4 - Innenausbau mit Styropor

Zunächst musste ich die Styroporplatte auf die richtige Größe zuschneiden. Damit dies gelang, habe ich zwei Lineale als Führung verwendet und zum Schneiden ein feines Sägeblatt:


Danach habe ich die Gitarre angezeichnet und dabei etwas Spielraum hinzugegeben, damit sie auch mit Stoff noch hineinpasst:


Da hier die Schienenmethode nicht funktioniert, habe ich zum Ausschneiden eine Stichsäge verwendet. Das hat hervorragend funktioniert.
Dann noch eine Halterung für den Hals ausschneiden und schauen ob alles passt:


Schritt 5 - Stoff aufziehen

Den Stoff habe ich grob zugeschnitten und mit Sprühkleber erst auf die eine Innenhälfte des Koffers geklebt:


Dann die zweite Hälfte eingesprüht und vorsichtig glattgestrichen. Die Gewichte sorgen dafür, dass nichts verrutscht:


Die Styroporform mit Stoff so zu beziehen, dass der Stoff überall glatt aufliegt, schien mir zu aufwendig, weshalb ich mich hier für einen "kräuseligen" Look entschieden habe.
Beim Kleben von Stoff auf Styropor habe ich statt des Sprühklebers Holzleim verwendet, da der Sprühkleber den Styropor auflöst. Hierbei gab es das Problem, dass durch Andrücken des Stoffes der Holzleim durch diesen hindurchdrückt. Es gibt jetzt ein paar dunkle harte Stellen am Stoff, aber so auffällig ist das zum Glück nicht.
Damit der Stoff innen eng genug aber nicht zu eng anliegt, habe ich die Negativform der Gitarre einfach in die Styroporform hineingedrückt:


An der Unterseite der Styroporform habe ich den Stoff lediglich mit Nägeln festgesteckt, was sich als Vorteil erwies, da die Form später noch in der Breite verkürzt werden musste, da innen noch die Lippen befestigt werden müssen. Diese wurden ebenfalls mit Stoff bezogen, gleiches gilt für die Halterung für den Hals.

Zuletzt habe ich noch den Schaumstoff in den Deckel geklebt:


Schritt 6 - Beschläge und Fertigstellung


Die bezogenen Lippen habe ich mit dunklen Nägeln auf der Innenseite der unteren Kofferhälfte befestigt. Hierfür musste ich die Styroporform noch einmal in der Breite kürzen, damit alles passte.
Danach habe ich die Scharniere und Ecken sowie die Schlösser angeschraubt. Zuletzt habe ich die Gitarre in den Koffer gelegt um zu schauen ob alles passt. Dann auf einer Holzrolle den Schwerpunkt
ermittelt und den Griff entsprechend platziert. 

Und das ist das Endergebnis:







Mir ist dann allerdings noch aufgefallen, dass sich der Koffer noch nicht auf die Seite stellen lässt, weil er dann auf dem Scharnier stehen würde. Ich muss also bei Zeiten noch Füße besorgen.
Auch habe ich bisher keine Fächer eingebaut, aber die Möglichkeit besteht immer noch, sobald ich Bedarf habe. Stoff habe ich noch genug.

Was ich beim nächsten Mal anders machen würde, ist definitiv die Kastenkonstruktion. Der Koffer wiegt mit Gitarre stattliche 11,8kg, ist dafür aber praktisch unzerstörbar. Sicher lässt sich da ein besserer Mittelweg finden.

Das war's soweit mit diesem Bau. Ich hoffe es hat euch gefallen ;-)

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

DIY - 3D Drucker ANet A8 (plus Brandschutz)

Ich habe schon seit langer Zeit eine Faszination für den 3D Druck. Bisher war der Einstieg in dieses Hobby jedoch mit hohen Kosten verbunden. Erst kürzlich wurde ich auf ein Angebot aufmerksam gemacht, das zu gut klang, um wahr zu sein, aber auch zu gut war, um es auszuschlagen. Bei besagtem Angebot handelte es sich um den Drucker ANet A8 als Bausatz auf Gearbest.com . Nach einigem Zögern und Googlen, entschied ich mich für den Kauf, da der Drucker gerade im Angebot war und sogar scheinbar von einem Lager in Europa ausgeliefert wurde. Ich war jedoch zu spät. Wie das mit der menschlichen Psychologie nun einmal so ist, MUSSTE ich den Drucker jetzt aber haben und bestellte ihn mir für einen geringfügig höheren Preis aus China (ebenfalls bei Gearbest). Inklusive Versandkosten kostete der Drucker mich  €140.97 . Nach der Bestellung begann das Warten. In dieser Zeit konnte ich mich bereits ausführlich auf meinen Bausatz vorbereiten. Drei Wochen später erhielt ich dann ein große...

DIY - "Fig Rig"